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3DS Freakyforms Deluxe
 
 
Freakyforms Deluxe - 3DS
Niklas Nowak (12.08.2012)

SYSTEM: 3DS
ENTWICKLER: Asobism
GENRE: Action
SPIELER: 1(2) Spieler
HANDBUCH: Deutsch
STREETPASS: Ja
1MODUL MP: Nein
SCHWIERIGKEIT: 1-5
SECRETS: Ja
SPRACHHÜRDE: Keine
MIKRO SUPPORT: Nein
ALTERSFREIGABE: USK0
TERMIN: Erhältlich
VIRTUAL SURROUND: Nein
PREIS: ca.30 Euro
SD-Card NUTZUNG: Nein
CHEATS / TIPPS: Nein
ONLINE/SPOTPASS: Nein

   
Einleitung....

Nintendo geht mit dem in diesem Testbericht beschriebenen Spiel einen Weg, der in Zukunft Schule machen könnte: Schlägt ein Download-Titel bei der Spielerschar überraschend gut ein, wird er wenig später in überarbeiteter Fassung als Retail-Titel auf den Markt gebracht. Im November 2011 erschien Freakyforms nämlich als Download-Titel für gerade mal sechs Euro im eShop - nun liegt es als vollwertiger Einzelhandel-Titel in den Regalen der Spielehändler. Preislich muss man nun natürlich tiefer in die Tasche greifen, schlägt der Spaß diesmal mit etwa 30 Euro zu Buche. Da der Nintendo 3DS noch nicht allzu lange auf dem Markt ist und gerade im Sommer nach hitverdächtigen Titeln gelechzt wird, sind wir jedoch über jede Neuveröffentlichung dankbar - selbst wenn dies bei Freakyforms Deluxe nur eingeschränkt zutrifft. Zudem erinnern wir uns: Freakyforms erhielt von uns damals eine mittelprächtige Bewertung. Der kreative Ansatz des Spieles war vielversprechend, das Gameplay krankte jedoch an Eintönigkeit und fehlenden Reizpunkten, um den Spieler ausreichend zu motivieren. Gehören diese Kritikpunkte in der neuen Version nun der Vergangenheit an?

Menus und die Story....

"Freakyforms: Deluxe" startet zunächst genauso wie der Vorgänger: Ihr dürft ein bisschen Gott spielen. Solch ein Angebot bekommt man nicht jeden Tag unterbreitet und so nehmen wir dankend an, indem wir einem noch unbewohnten und kargen Planeten einen Namen geben. Anschließend startet ein Tutorial: Ihr bekommt erklärt, dass besagter Planet von den so genannten "Formis" bevölkert werden soll, damit er blüht und gedeiht.

Technik und Game Play....

In einem Baukasten-Modus könnt ihr nun damit loslegen, ein solches Geschöpf zu gestalten. Kopf, Torso, Beine, Mund, Augen und Nase sind die Basis-Elemente, die dem Formi zu Gestalt verhelfen. Zunächst ist es eure Aufgabe, ein recht einfaches Formi zu erstellen, später dürfen dann auch fliegende Gesellen oder gar Formis mit Reifen erstellt werden. Bei den ersten Versuchen (etwa eine Hand voll) steht euch ein Helfer bereit, der die allgemeine Benutzung des Baukastens und das Erstellen der einzelnen Formi-Typen erläutert. Bei späteren Besuchen dürft ihr völlig frei über das Erscheinungsbild der Kreatur verfügen. Sollte es euch an Inspiration mangeln, dürft ihr euch aber Vorschläge wie "Werwolf (blond)" oder "Käfer (machohaft)" geben lassen, die dann der Orientierung dienen. Natürlich öffnet sich euch eine breite Farbpalette: Jeder Bestandteil des Formis könnt ihr nach euren Vorstellungen kolorieren. Ihr wollt einem Hund-/Rennwagen-Hybriden mit dunkelrotem Schwanz, neongrünen Rädern und skurrilen Glubschaugen Leben einhauchen? Kein Problem, solch ein abgefahrenes Geschöpf passt perfekt in die bunte Welt des Titels. Das hier ist eine der großen Stärken von "Freakyforms: Deluxe": Wenn ihr über ausreichend Fantasie verfügt und obskure Figuren euer Ding sind, dann könnt ihr hier stundenlang ein Wesen (oder vielleicht eher "Opfer"?) nach dem anderen konstruieren. Die Auswahl der einzelnen Teile ist zwar nicht besonders groß.

Und auch die Anzahl der Teile, die pro Kreation verwendet werden darf, ist auf 20 Teile begrenzt. Allerdings: Durch Funktionen wie verkleinern, vergrößern, zusammenquetschen oder in die Länge ziehen, wird dies eindeutig Wett gemacht. Ein Kreis ist hier eben nicht nur ein statischer und unveränderlicher Kreis, sondern kann nach euren Vorstellungen modifiziert werden, sodass man sich am Ende durchaus die Frage stellt: "War das am Anfang wirklich mal ein Kreis?". Seid ihr mit dem Aussehen eures Monsters zufrieden, erhält es selbstverständlich noch einen Namen und einen Schlachtruf. Weiteres witziges Element: Ihr dürft ihm seine eigene Stimme geben. Dabei lassen sich zwischen verschiedenen Sprechweisen wie "Wütend", "Niedlich" oder "Verrückt" wählen. Außerdem darf auch noch die Tonlage der Stimme verändert werden. Ich habe in einem Videospiel selten so sehr über den Sound gelacht wie hier: Die Stimmen klingen teilweise wirklich sehr abgedreht - wahlweise wie ein hyperaktiver Japaner auf Speed, ein extrem entspannter Barry White im Whirlpool oder ein verruchtes Pin-Up-Girl. Auch wenn die Stimme nichts mit dem eigentlichen Vorankommen im Spiel zu tun hat, ist sie einer der lustigsten Aspekte des Spieles und verleiht der Kreatur einen gewissen Charakter. Übrigens dürft ihr die Formis auch mit Accessoires wie Hüten und anderen Gimmicks ausstatten - diese kann man sich in der eigentlichen Spielwelt verdienen - und hier wären wir auch schon beim nächsten wichtigen Teil des Spieles: Dem Erkunden der Spielwelt.

Das ist der eigentliche Gameplay-Part des Spieles. Ihr sucht euch eine eurer erstellten Kreaturen aus und erforscht mit ihr den Planeten. Dabei wird auf dem unteren Bildschirm des Nintendo 3DS quasi ein imaginärer Analogstick abgebildet, den ihr mit dem Stylus oder dem Daumen bewegen könnt. Im Vergleich zum Vorgänger hat sich hierbei aber - leider - nichts verändert: Immer noch ist die Steuerung unsinnig. Um nach links oder rechts zu laufen bzw. fahren, muss man nämlich einen Punkt neben dem Stick berühren. Wenn der Stick selbst bewegt wird, vollführt eure Spielfigur einen Sprung. Beispiel: Zieht ihr den imaginären Stick nach rechts unten und lasst ihn anschließend los, vollführt das Formi einen Sprung nach links und der Stick schnappt in seine Ausgangslage zurück. Nach wie vor hätte ich mir hier - wie auch bereits beim Vorgänger - eine Tastensteuerung gewünscht. Das ist aber leider noch nicht alles, was beim Erkunden der Gegend negativ ins Gewicht fällt. So niederschmetternd es klingen mag: Das Erkunden macht einfach keinen Spaß. Das hat gleich mehrere Gründe. Ersterer ist die bereits bemängelte Steuerung. Des Weiteren gibt es kaum Anreize oder Motivation, um die Gegend zu erkunden. Ihr könnt mit eurem Formi umhertollen und beispielsweise Früchte von Bäumen vernaschen, wodurch die Kreatur gelegentlich ein Ei legt, welches ein paar Münzen offenbar. Oder ihr könnt kleinere Aufgaben erledigen, mit denen euch umherstreunende Formis beauftragen. Diese Aufgaben sind jedoch wenig reizvoll und bestehen beispielsweise darin, so viele Früchte zu fressen, bis man ein Ei legt…

Auch in der Spielwelt kommt ein kreativer Aspekt zum Tragen. Ihr dürft die Umgebung farblich verändern, indem ihr das Gras, die Bäume oder den Himmel einfärbt. Aber das reicht nicht mal ansatzweise, um wirklichen Spielspaß zu erzeugen. Die Spitze des belanglosen Eisberges besteht darin, dass während eurer Erkundungstour ein Countdown läuft. Nach etwa 300 Sekunden ist die Spritztour auf dem Planeten abrupt zu Ende und ihr müsst eine neue starten. Wenn man schon auf ein "Open World"-Feature setzt, dann ist dies absolut kontraproduktiv. Größte Neuerung im Vergleich zum Vorgänger sind Dungeons, in denen die Formis Kämpfe gegeneinander austragen. Hier wäre durchaus Potenzial vorhanden gewesen. Aber ihr habt es am gerade benutzten Konjunktiv schon erkannt: Letztendlich wurde es von den Entwicklern verschenkt. Die Kämpfe in den Dungeons laufen überwiegend automatisch ab, sodass ihr zum Zuschauen verdammt seid. Und Spaß macht das Ganze dadurch natürlich überhaupt nicht. Während des Spielens dürft ihr übrigens auch Fotos schießen, um diese mit Freunden zu teilen. Ein nettes Gimmick, aber leider kein inhaltlicher Aspekt, der das Spiel retten kann.

Wenn man bedenkt, dass die primäre Zielgruppe des Titels Kinder sind, lassen sich die Entscheidungen natürlich einigermaßen nachvollziehen. Schließlich sind Erfolge quasi garantiert, wenn für sie nichts bzw. gar nichts erledigt werden muss. Auch das Zeitlimit macht Sinn, wenn man an den mütterlichen "Du spielst jetzt aber nur noch zwei Minuten und dann machst du das Ding aus!"-Spruch denkt. Den meisten Spaß hatte ich während des Spielens beim Erstellen von eigenen Formis und dem QR-Code-Feature. Mithilfe dessen ist es nämlich möglich, das eigene Formi mit anderen Spielern zu teilen. In den Weiten des Internets werdet ihr hunderte Formis von anderen Spielern finden, die ihr in euer Spiel transferieren könnt. Es spricht Bände, dass mir dies ebenfalls viel mehr Spaß gemacht hat, als das Erkunden des Planeten.

Grafik & Sound....

Grafisch sieht Freakyforms Deluxe in etwa so aus wie eine Tüte Gummibärchen in der Waschmaschine: Bunt, zuckersüß und leicht verwaschen. Selbst die grässlichsten Monster möchte man in dieser Umgebung am liebsten Abdrücken. Der Stil hat zugegebenermaßen seinen Charme und wird der Zielgruppe mit Sicherheit zusagen, bringt den Nintendo 3DS aber nicht mal ansatzweise an seine technischen Grenzen. Insofern hätte Nintendo den Titel im Vergleich zum Vorgänger grafisch aufbohren können (oder müssen?), hat diese Gelegenheit jedoch verpasst. Der gebotene 3D-Effekt ist übrigens nicht der Rede wert, weil kaum erkennbar. Der Sound lässt Kirmes-Feeling aufkommen. Es scheint sich um einen ewig drehenden Leierkasten zu handeln, der von gelegentlichen, ulkigen Geräuschen untermalt ist. Kurzum: Er geht sehr schnell auf die Nerven. Nur leider kann man dem Musiker, der das Instrument spielt, hier nicht mal eben einen Fünf-Euro-Schein in die Hand drücken und sagen: "Nimm das Geld und zieh' mit deinem Instrument bitte drei Straßen weiter.": Die Musik lässt sich nämlich nicht abstellen.

Multiplayer....

Freakyforms Deluxe beinhaltet eine StreetPass-Funktion. Ihr könnt festlegen, dass anderen Freakyforms-Spielern, denen ihr begegnet, eure eigenen Formis, Gast-Formis oder selbstgemachte Fotos geschickt werden. Außerdem kann man in einem separaten Modus zusammen mit anderen 3DS-Besitzern Formis erstellen. Löblich, dass die anderen Spieler dafür noch nicht mal ein eigenes Modul benötigen. Auch hier ist zu sagen: Ganz nett, aber mehr eben auch nicht.

Fazit....

Das Download-Spiel Freakyforms kostet sechs Euro und konnte nicht wirklich überzeugen. Der Retail-Titel Freakyforms Deluxe kostet etwa fünfmal so viel und überzeugt noch weniger, weil er praktisch keinen Mehrwert bietet. Ich kann mich nicht des Gefühls entledigen, dass Nintendo den Titel einzig und allein deshalb nochmals auf den Markt gebracht hat, weil sie davon ausgehen, dass alle unwissenden Kinder bei dem Titel ohne großartig zu überlegen erneut zuschlagen werden. Spaß macht Freakyforms Deluxe noch am ehesten beim Erstellen der Formis und auf der Suche nach den Kreationen von anderen Spielern. Der eigentliche Gameplay-Part fällt dagegen stark ab und hat sich im Vergleich zum Vorgänger nicht verbessert. Freakyforms Deluxe ist vergleichbar mit Sonys Little Big Planet-Reihe. Auch dort wird erst selbst erstellt und dann gespielt. Dort macht jedoch beides Spaß, hier allerdings nur Ersteres. Wenn ihr also eine Vorliebe für das eigene Erstellen von Monstern habt und in Freakyforms hineinschauen wollt, dann holt euch den Download-Titel. Auch Kinder werden an dem Spiel mit Sicherheit ihre Freude haben und ein ulkiges Wesen nach dem anderen erstellen. Alle anspruchsvollen Spieler lassen jedoch bitte die Finger von Freakyforms Deluxe und warten auf den Tag, an dem Freakyforms: Now with ambition erscheint (und das hier nennt man: Ironie).

 

+ Erstellen der Formis macht Spaß
+ lustige Stimmen der Kreaturen
+ Formis teilen mit anderen Spielern
+ vorbildliches Tutorial
- Anspruch und Herausforderungen
- Spielwelt Erkundung langweilig
- unsinnige Steuerung
- noch unsinnigeres Zeitlimit
- keine Verbesserungen zum DLC
- Preis gegenüber eShop Version

GRAFIK: 51%

SOUND/EFFEKTE: 55%

MULTIPLAYER: 50%

GESAMTWERTUNG: 53%

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